Rekonstruktion der ovalen Treppe


Grundriss der EG Treppe. Die
unterschiedlichen Stufenbreiten
resultieren aus den am Bau gefundenen Putzlöchern.

Um die Treppe in ihrer ursprünglichen Form wiederherstellen zu können, begaben wir uns  vor der Planung auf Spurensuche.
Welche Position und welche Höhen hatten die Stufen vor 100 Jahren gehabt? Wie sahen die Wangen aus?
Wie endete der Handlauf im Keller?

Es gab einige Hinweise:

Auf dem Kellerfußboden fehlten einige Marmorfliesen in der Form einer Blockstufe. Und in den Balkendecken, in denen die Treppenlöcher nach dem Treppenabriß geschlossen wurden, konnte man mit etwas Phantasie entdecken, welche Balken die Last der Treppe aufgenommen haben mußten. Dadurch wurde klar, wo sich die beiden Antrittstufen befunden hatten.
Im Obergeschoß war sogar noch die Austrittstufe
erhalten.

An den Wänden fanden sich die Spuren der Stufen:
Die nach dem Abbruch der eingeputzten Stufen entstandenen Putzlöcher, waren mit härterem als dem umgebenden Mörtel ausgefüllt worden. Beim Abklopfen dieser Bereiche kristallisierten sich die Konturen der Wandanschlußstellen und damit die genauen Höhen und Positionen der damaligen Tritt- und Setzstufen heraus.
(S. Abb. rechts)

Die Form der Wangen und Stufenvorderkanten ließ sich von dem letzten  über die Jahrhunderte
dick übergestrichenen Stück Treppe im Obergeschoß ableiten.

Einzig für die Endung des Kellerhandlaufes gab es vorort keine Anhaltspunkte. Recherchen in der Literatur zu vergleichbaren Bauten Ch. F.Hansens ließen den Schluß zu, dass der Handlauf vermutlich in einer Schneckenform geendet haben mußte.


Verstreckungsschablonen


Zeichnerische Konstruktion der vier für die Herstellung der Erdgeschosswange erforderlichen
Verstreckungsschablonen

Die Fertigung der 3D Teile wie den Wangen erforderte
einen 1zu1 Aufriß, Verstreckungsschablonen, die die
Krümmung der Innenwangen aus der Horizontalen in
die schräge Ebene übertragen und vor allem ein gutes
Lehrbuch. Uns war eine große Hilfe:
Kress, Fritz
Der Treppen- und Geländerbau- Ein
handwerkstechnisches Fachbuch
3. neubearb. Auflage. Maier, Ravensburg

3 Entwicklungsstadien in der Herstellung der Wangen.
Aus jeweils 4 Lagen 8cm dickem Eichenholz werden die Wangensegmente zusammengeleimt.
Mit der Verstreckungsschablone wird die runde Form angezeichnet.

Nach dem Abbinden des Leims werden die Rundungen ausgearbeitet. Hierbei ist Handarbeit und viel Formgefühl gefragt.

Wenn alle Flächen schön veschliffen sind, können die Einlassungen für die Tritt- und Setzstufen ausgefräst werden.

Um keine bösen Überraschungen zu erleben, sind wir einmal mit der roh fertiggestellten Treppe, bestehend aus Wangen und Stufen, hingefahren und haben sie probeweise eingebaut.
Wir mußten herausfinden, ob alles paßt. Danach konnte man ohne Sorgen mit dem Handlauf, der sich aus den Grundrissmaßen der Innenwange ergibt, beginnen. Es passte alles.

Die beiden unteren Stufen werden in die original Putzlöcher eingefügt. Auch die Ausnehmung in der Türbekleidung (rechts im Bild) ist schon vorhanden
gewesen.

Die Deckenwange besteht aus aufeinandergeleimten geschweiften Eichenholzlamellen. Die rechteckige Einlassung, die auf dem Foto zu sehen ist wird beim Einbau der Treppe auf den tragenden Balkenkopf gesteckt. Auf diesem Punkt lastet das Gewicht der gesamten oberen Treppe.

Der Handlauf wird nach der komplett verleimten Wange angefertigt. Die Grundriss- und die seitliche Form ist gleich. Bevor das Profil ausgearbeitet wird, werden die Löcher für die Traillen gebohrt.

Fertig ausgearbeiteter Kellerhandlauf von unten. Oben im Bild ist die Schnecke zu sehen,

Derselbe Handlauf von oben

fertige Treppe

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